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Pressemitteilung des Ökologischen Jagdvereins Bayern e.V.

Die Flinte nicht ins Korn werfen

Angepasste Rehwildbestände sind möglich

 

Bundesjagdgesetznovellierung muss waldfreundliche Bejagung stärken

 

Ulsenheim, 03.07.2020

 

Am 29.06.2020 ist in der Online-Ausgabe der Passauer Neuen Presse (pnp) ein Artikel mit dem Titel „Wald vor Wild: Mit der Büchse allein nicht zu schaffen“ erschienen. Im Artikel werden vom Regierungsjagdberater zahlreiche richtige Aussagen gemacht:

  • Bei den Präventionsmaßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest brauchen wir möglichst niedrige Schwarzwildbestände und
  • auch wenn es um gesunde, stabile zukunftsfähige Wälder geht, brauchen wir angepasste Schalenwildbestände.

Was die Jagd angeht brauchen gerade die vom Sturm und Borkenkäfer be-sonders gebeutelten Wälder in Niederbayern ein konsequentes, gemeinsames Vorgehen aller Beteiligten. Mit der Aussage, die Jagd allein könne diese Aufgabe nicht bewältigen, wirft er aber buchstäblich die Flinte ins Korn.

Der niederbayerische Regierungsjagdberater Hans Parhofer betont in dem Artikel die große Verantwortung, die derzeit auf den Schultern der Jäger und Förster lastet. Dem ist voll und ganz zuzustimmen. Er führt aus, dass gerade wenn es um die Prä-ventionsmaßnahmen vor der Afrikanischen Schweinepest geht, die Jäger in der Pflicht sind, die Schwarzwildbestände so niedrig wie möglich zu halten. Alle rechtlich zulässigen jagdlichen Möglichkeiten sind auszuschöpfen. Auch das kann man nur unterstützen.

Die Wälder stehen unter Druck
Die Wälder in Niederbayern wurden durch den Sturm Kolle besonders in Mitleiden-schaft gezogen, aber auch andernorts in Bayern wird der Wald aufgrund der Tro-ckenheit und Käferkalamitäten schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die entstandenen Schadflächen bedrohen die Existenz vieler Waldbauern. Großflächige Zäunungen sind keine Lösung, sie verlagern viel mehr das Problem auf die nicht gezäunten Flächen. Außerdem sind größere Zäunungen kaum dichtzuhalten und wirtschaftlich gesehen viel zu teuer. Die (kostengünstige) Lösung gibt Herr Parhofer gleich mit an: Naturverjüngung! Alle vorhandenen heimischen Baumarten würden sich verjüngen. Freilich nicht alle gleich auf gesamter Fläche, manche Baumarten brauchen viel Licht zum Wachsen, manche schaffen es auch bei lichtärmeren Verhältnissen. Manche Baumarten, die sich nicht im Altbestand finden müsse man auch künstlich einbringen. Unbestritten ist, dass der Einfluss des Rehwilds auf die Verjüngung aber enorm ist. Von daher wird es bei zu hohen Rehwildbeständen meist nichts mit dem Mischwald, der sich größtenteils ganz natürlich einstellen würde. Auch hier gibt Herr Parhofer einen sehr sinnvollen Lösungsvorschlag an: Die Regulation des Rehwildbestandes.

Abschließendes Fazit ist unverständlich
Sein abschließendes Fazit kommt jedoch einer Bankrotterklärung der Jagd gleich: „Mit der Büchse allein ist es nicht zu schaffen“. Lösung wären Ruhezeiten, Wildruhe-zonen im Wald und Lebensraumverbesserungsangebote außerhalb des Waldes. Auch wenn die Lebensraumverbesserung grundsätzlich zu begrüßen ist, hat es je-doch mit einer Regulation des Rehwildbestandes nichts zu tun. Auch die Ruhezonen würden nur bewirken, dass sich der Verbiss, der ja ganzflächig reduziert werden soll, sich bestenfalls verlagert. Das Wild kann einzig allein durch die Bejagung so reguliert werden, dass sich der Wald großflächig verjüngen kann. Und die Bejagung des Rehwildes muss genauso konsequent umgesetzt werden, wie es bei der Bejagung des Schwarzwildes gefordert wird. Sämtliche rechtlich zugelassenen Mittel müssen ausgeschöpft werden.

Anpassung von Schalenwildbeständen durch die Bundesjagdgesetznovellierung stärken
Derzeit ist die Novellierung des Bundesjagdgesetzes in der Diskussion. Der Wald braucht dringend ein waldfreundliches Jagdgesetz. Der Wald braucht „Wald vor Wild“. Das heißt nicht „Wald ohne Wild“. Der Wald als Lebensraum des Wildes, aber auch die Belange der Waldbesitzer als Jagdrechtsinhaber und die Sicherung der vielen Waldfunktionen (Wasserspeicherung, CO2-Speicherung, Sauerstoffproduktion …) müssen jedoch gesetzlichen Vorrang haben, um zu hohe Rehwildbestände anpassen zu können. Nur dadurch können die Voraussetzung geschaffen werden, unsere Wälder großflächig klimatolerant und dadurch zukunftsfähig umzubauen. Davon wird letztlich auch das Rehwild profitieren, das aufgrund des geringeren innerartlichen Stresses gesünder und vitaler ist.

Die Gesellschaft braucht einen klimastabilen Wald. Waldbesitzer, Jäger und Förster sollten sich gemeinsam dafür einsetzen. 
   
Gez.
Dr. Wolfgang Kornder
(Vorsitzender ÖJV Bayern e.V.)

PM des Ökologischen Jagdvereins Bayern e.V.
Die Flinte nicht ins Korn werfen, 3.7.2020
200703_PM_ÖJV_Die Flinte nicht ins Korn
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Über den ÖJV

Der Ökologische Jagdverein ist ein 1988 gegründeter Jagdverband, der sich der ökologischen Jagd verpflichtet hat. Der ÖJV reformiert aktiv das deutsche Jagdwesen und trägt dazu bei, dass die Jagd auch in Zukunft in der Gesellschaft Akzeptanz findet.
Der ÖJV sieht die Jagd als eine legitime Form der nachhaltigen Naturnutzung an. Die Ökologie soll dabei als wertfreie Wissenschaft Grundlagen für die Jagd liefern, von der Waldbau, Natur-, Arten- und Tierschutz betroffen sind. Aufgabe der Jagd ist es, in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Demzufolge muss beispielsweise das Schwarzwild wegen seiner Schäden in der Landwirtschaft oder Schalenwild wie Rehe wegen ihrer Schäden im Wald reguliert werden.

 



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