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Pressemitteilung des Ökologischen Jagdvereins Bayern e.V.

Wildunfälle in Deutschland steigen weiter Hauptursache sind zu hohe Rehwildbestände

Ulsenheim, 19.11.2020

Nach Angabe von GDV–Die deutschen Versicherer gab es 2019 295.000 Wildunfälle, etwa 800 pro Tag. Die Schadenssumme beläuft sich auf ca. 3000 € pro Unfall. Die Dunkelzimmer wird mindestens 4 – 5-mal höher geschätzt. Unzählige Autofahrer*innen werden gefährdet. Dem Wild entsteht dadurch viel Leid.

 

Mit Abstand am meisten Wildunfälle ereignen sich mit Rehwild (fast 203.000), da die Rehwildbestände deutschlandweit sehr hoch sind.

 

Die volkswirtschaftlichen Schäden haben damit die Einnahmen durch die Jagdpacht in vielen Regionen weit hinter sich gelassen. Umso fragwürdiger ist es, dass viele Revierinhaber ihrer Aufgabe, die Schalenwildbestände anzupassen (BJagdG §1), oftmals nicht nachkommen.

 

Wildwarnreflektoren sind wirkungslos

Wie der Spiegel Okt. 2018 berichtete hat die Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich eine Studie zur Wirkung von Reflektoren an den Leitpfosten durchgeführt, die herausfinden sollte, ob diese Methode erfolgreich ist. Ernüchterndes Ergebnis: Die Reflektoren bleiben wirkungslos. So bestätigt sich, was der Ökologische Jagdverein Bayern (ÖJV) schon immer behauptete: Wildwarnreflektoren sind reines Placebo der traditionellen Jagd!

 

Derzeit sollen in Bayern mobile Wildwarnschilder für Abhilfe sorgen. Es bleibt zu vermuten, dass deren Effizienz ähnlich der von Reflektoren ist.

 

Angepasste Wildbestände helfen Wildunfälle reduzieren

Die wirkungsvollste Methode, die Unfallwahrscheinlichkeit deutlich zu senken, liegt darin, vor allem den Rehwildbestand abzusenken. Das unterstreicht die Studie von Hothorn, Müller und Brandl 2012 an der TU München, nach der die Höhe der Verkehrsunfälle mit den Ergebnissen des Forstlichen Gutachtens korreliert. Angepasste Rehwildbestände würden auch den dringend notwendigen Waldumbau unterstützen. Besonders in den Gebieten mit zu hohem und deutlich zu hohem Verbiss (gemäß Forstlichem Gutachten) muss der Wildbestand auf ein wald- und unfallverträgliches verträgliches Maß reduziert werden.

 

Wir appellieren deshalb vor allem an die zuständigen Revierpächtern: Es liegt mit in ihrer Verantwortung, durch angepasste Wildbestände die allgemeine Sicherheit zu erhöhen und Tierleid zu verringern.

 

Bei angepassten Wildbeständen profitieren alle, der Mensch, der Wald und das Wild:

 

  • Für alle Autofahrer sinkt das Risiko in einen Wildunfall verwickelt und ggf. selbst verletzt zu werden.
  • Der Wald kann sich viel besser verjüngen und so im Klimawandel seinen Gemeinwohlfunktionen gerecht werden.
  • Das Wild entgeht schlimmen Verletzungen und dort, wo die Rehwildbestände angepasst sind, sinkt zudem der innerartliche Stress.

 gez.

 

 Dr. Wolfgang Kornder

 1. Vorsitzender

 

 

Hilfen bei einem Wildunfall

Wenn ein Wildunfall passiert ist, sollte man überlegt vorgehen:

 

Der ÖJV Bayern hat dazu einen Flyer entwickelt, der als Handreichung dienen kann. Man  kann diesen bei der Geschäftsstelle des ÖJV-Bayern bestellen und unter https://www.oejv-bayern.de/onlineshop/wildunfall/  herunterladen.

 

Helfen Sie dem verletzten Wild –

Mit Markierungsbändern den Unfallort kennzeichne

 

Das Innenministerium hat Markierungsbänder für Wildunfälle, die der Ökologische Jagdverein Bayern (ÖJV) nach schwedischem Vorbild entwickelt hat, genehmigt (AW_C4-3607-1-14_9297). Damit können Wildunfälle eindeutig gekennzeichnet werden (zu erhalten unter oejv-bayern.de).

Dies erleichtert die Arbeit von Polizei und Jagpächtern, die z.B. angefahrenes Wild nachsuchen müssen.

 

  • Polizei und Jagdpächter finden den genauen Unfallort viel leichter und sicherer.
  • Angefahrenes Wild kann schneller nachgesucht und von seinem Leiden erlöst werden

 

Besonders der Tierschutz profitiert, weil damit der nachsuchende Jäger weiß, wo er

seinen Hund ansetzen muss, um der Fährte des verunfallten Tieres folgen zu können. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein verletztes Stück Wild gefunden und schnell von seinem Leiden erlöst werden kann, steigt damit gravierend. Es wird dadurch auch das Risiko des Jägers verringert, der ansonsten im laufenden Verkehr den genauen Unfallort erst finden muss.

 

Quellen:

 

https://www.gdv.de/de/medien/aktuell/wildunfaelle-erreichen-rekordhoch-63692

 

http://www.spiegel.de/panorama/wildunfaelle-studie-blaue-reflektoren-sind-wirkungslos-a-1234598.html

https://www.oejv-bayern.de/presseinformationen/2001-pm-markierungsb/ (Markierungsbänder)

 

https://idw-online.de/en/news464775 (Der Tod im Wald - LMU-Statistiker zeichnet Risikoatlas für Wildunfälle von Hothorn, Brandl und Müller)

 

 

PM des Ökologischen Jagdvereins Bayern e.V.
PM_Wildunfälle_ÖJV 201116.pdf
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Über den ÖJV

Der Ökologische Jagdverein ist ein 1988 gegründeter Jagdverband, der sich der ökologischen Jagd verpflichtet hat. Der ÖJV reformiert aktiv das deutsche Jagdwesen und trägt dazu bei, dass die Jagd auch in Zukunft in der Gesellschaft Akzeptanz findet.
Der ÖJV sieht die Jagd als eine legitime Form der nachhaltigen Naturnutzung an. Die Ökologie soll dabei als wertfreie Wissenschaft Grundlagen für die Jagd liefern, von der Waldbau, Natur-, Arten- und Tierschutz betroffen sind. Aufgabe der Jagd ist es, in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen.


http://www.oejv-bayern.de

Ökologischer Jagdverein Bayern e. V.
Dr. Wolfgang Kornder
1. Vorsitzender
Tel.     09842 951370
Email    kornder@oejv.de    

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91478 Markt Nordheim