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Schwarzwildschäden!

Auf der Suche nach Wegen zur deren Verringerung

Zu diesem Thema lud der ÖJV Mittelfranken am 25. März 2009 in Buch am Wald (bei Rothenburg ob der Tauber) ein. Der Abend begann mit einem Fachvortrag. An diesen schloss sich eine Podiumsdiskussion an.

Zunächst strapazierte der Referent, der Wildbiologe Niels Hahn, unsere Nerven, denn auf Grund der schlechten Witterungsverhältnisse konnte er nicht pünktlich ankommen. Sein hochinteressanter und fundierter Vortrag „Schwarzwildbewirtschaftung - Wo liegen die Defizite für ein lösbares Problem?“ machte dies aber schnell wett.

Das Referat
Hahn beleuchtete die Ausgangssituation, die sich kurz und bündig so zusammenfassen lässt: Wildschweine und Probleme mit ihnen gibt es quasi als Dauerbrenner  in vielen Teilen Deutschlands, die Ausbreitung  der Sauen sei sogar weltweit zu beobachten. Die dadurch auftretenden Schäden tragen wesentlich zur bewussten Wahrnehmung bei. Die Abschusszahlen seien außerhalb Bayern meist höher, aber in Bayern sei die Bestandsobergrenze noch lange nicht erreicht und die Jäger seien bislang wohl nicht in der Lage, der Problematik Herr zu werden.
Dann referierte er über bekannte Ursachen und  neue Lösungsansätze. Schwarzwild sei eine „gefräßige“, „anpassungsfähige“, „fortpflanzungsfreudige“ und „wehrhaft und niedliche“ Wildart: Darin liege ihr Erfolgsrezept. Der r-Stratege (Reproduktions-Stratege) Schwarzwild nutze geschickt die Ressourcen einschließlich der „Flächendeckenden und ganzjährige Fütterung (Kirrung, Ablenkfütterung, Notzeitfütterung)“. Anhand von konkreten Streckenergebnissen zeigte Hahn, dass ein zielführender Eingriff zentral bei den Bachen, einschließlich der Frischlingsbachen liegen müsse. Der effiziente Bejagungszeitraum liege in den Wintermonaten von November bis Januar.

Anhand zahlreicher wissenschaftlicher Querverweise zeigte Hahn, dass die herkömmliche Behauptung zur Funktion der Führungs- oder Leitbache, nämlich die Rauschesynchronisation (gleicher Rauschzeitraum bei den übrigen geschlechtsreifen weiblichen Rottenmitgliedern) bzw. die Rauschunterdrückung (keine Rauschteilnahme rangniedriger Bachen, insb. der Frischlingsbachen) nicht belegt sind. Die in der herkömmlichen Jagd daraus gefolgerte Schonung - und die damit einhergehende absinkende Effizienz bei der Bachenbejagung - wurde dadurch mehr als in Frage gestellt.

Auch das Management des Schwarzwildes über die Fütterung, Ablenkfütterung und Kirrung wurde massiv kritisiert. Unterm Strich führe dies eher zu einem Anwachsen der Schwarzwildbestände.
Ein sehr interessanter Aspekt war der Blick auf die unterschiedlichen Gruppen „Jäger“ und „Landwirte“. Teils klafften die Einschätzungen zum Schwarzwild diametral auseinander, so vor allem bei der Frage nach akzeptablen Bestandsgrenzen. Die Zielvorstellungen stimmten oft nicht überein. Nach der langjährigen Erfahrung des Referenten wären gemeinsame Zielvorstellungen und deren „Kontrolle“ nötig. Dazu müsse ein Monitoring geschaffen werden. Dieser Bereich, von Hahn in Anlehnung an Aldo Leopold als „Human Dimension“ bezeichnet, sei wohl der Schlüsselbereich. In Zusammenarbeit dieser beiden Gruppen können Alternativen zum bisherigen Schwarzwildmanagement entwickelt werden. Einzelne Teile wären etwa:

  • Intensivierung der Bewegungsjagd
  • Schnelle Einsatzgruppen (zeitnah, effektiv, revierübergreifend)
  • Einsatz von Saufängen
  • Einsatz von Nachtzielgeräten
  • Anreizsysteme (Abschussprämien, Senkung der Trichinenuntersuchungsgebühr, finanzielle Förderung des Hundeeinsatzes)
  • Monitoring und Kontrollmechanismen

Bisherige Hegevorstellen und Organisation in Hegeringen bis hin zu Schwarzwildausgleichkassen hätten unterm Strich versagt.
Eine Lösung des Problems liege wohl im kritischen Miteinander der beteiligten Gruppierungen und den dabei zu entwickelnden Zielvorstellungen. Das Grundproblem habe dabei Aldo Leopold schon lange erkannt: „Management of wildlife is easy, the real challenge is the management of people” (Aldo Leopold).

Die Podiumsdiskussion

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen folgende Vertreter teil:

  • BBV / ARGE     Friedrich Ruck (Sprecher der Jagdgenossenschaften Ansbach)
  • BaySf         Norbert Flierl (Stellvertretender Betriebsleiter der BaySf Rothenburg)
  • ALF Ansbach     Friedrich Luger (Leiter des ALF Ansbach)
  • FBG Rothenburg Erwin Klein (Vorsitzender der FBG Rothenburg)
  • BJV         Johannes Schneider (BJV-Kreisvorsitzender Rothenburg)
  • ÖJV         Bernhard Mall

Die Moderation hatte Abteilungsdirektor Erich Bauer (Reg. v. Mfr.).


Trotz einer kurz zuvor gelaufenen anderen Schwarzwildveranstaltung war der Abend mit ca. 150 Teilnehmern, meist Landwirte und Jäger, dazu Vertreter von Behörden, sehr gut besucht.  Unter der klaren Moderation von Erich Bauer wurden die wesentlichen Themenpunkte zur Schwarzwildproblematik entfaltet

Auf die Frage, ob wir überhaupt eine Schwarzwildproblematik hätten, konnte der Vertreter der Jagdgenossenschaften, Friedrich Ruck, der den Ausführungen des Referenten voll zustimmte, eindeutig mit Ja antworten: Es müsse „rabiat“ eingegriffen werden. Er plädierte dafür nicht zurückzuschauen, sondern in Zukunft das Problem gemeinsam anzugehen. Aber die Schäden müssten zurückgefahren werden!

Johannes Schneider (BJV) verwies auf das seit langen schon bekannte Problem und die dadurch entstandene Schwarzwildschadens-Ausgleichkasse. Eine „bedrohliche Entwicklung“ sehe er derzeit aber nicht. Er räumte ein, dass die bisherige Sicht der „Leitbachen“ dem neuesten Forschungsstand angepasst werden müsse. Schneider sah aber eindeutig auch in großflächigen Jagden den wichtigsten Lösungsschritt. Solche Jagden müssten dann auch entsprechend organisiert sein, Treiber alleine würden oft nicht genügen, schwarzwildtaugliche Hunden müssten vorhanden sein. In Zukunft sollten hier bessere Absprachen erfolgen.  

Bernhard Mall (ÖJV) wies darauf hin, dass er mit seinem Hochschadensrevier nicht zur Ausgleichskasse zugelassen wurde. Deshalb und auch aus anderen Gründen seien solche Kassen keine Lösung. Zur Problembewältigung müssten die revierübergreifenden Jagden mit Hunden, bei denen Rehwild mit bejagt wird,  intensiviert werden. Aber gerade das scheitere im Rotheburger Raum, da überjagende Hunde häufig angezeigt werden und so die Effektivität der Bejagung leidet.

Friedrich Luger wies auf die vielfältigen Ursachen des Schwarzwildanstieges hin, angefangen bei den milden Wintern über die Dauerfütterungen bzw. –Kirrungen der Jäger bis hin zum verstärkten Maisanbau, der aber im Problemgebiet nicht gravierend zugenommen habe. Er sprach sich deutlich gegen die Herbstmastsimulationen aus.

Norbert Flierl (BaySf) betonte die großflächigen Jagden, bei denen Rehwild selbstverständlich mit bejagt werden sollte. Aber gerade aus diesem Grunde, würden viele herkömmliche Jäger die übergreifenden Jagden ablehnen oder zumindest nicht daran teilnehmen. Weiter sollte die Fütterung eingestellt werden. In den BaySf würden etwa 40% der Sauen auf den Bewegungsjagden und 60% auf den Ansitzen erlegt.

Auch Erwin Klein (FBG Rothenburg) sprach von erheblichen Schäden in Wiesen, im Getreide und Mais. Durch die Verunreinigung des Futters sei auch der Viehbestand betroffen. Nach seiner Meinung seien die größeren Waldbesitzer (gemeint war wohl der Stadtwald Rothenburg) an einer effektiven Bejagung nicht interessiert.

Im Vorfeld war eine übergreifend geplante Schwarzwilddrückjagd nur von wenigen Revierinhabern (wesentlich ÖJV-Reviere) durchgeführt worden. Dies sei nach Auskunft von Johannes Schneider aufgrund des Einflusses des Schwarzwildberaters zustande gekommen, der eine gegenüber Niels Hahn teils nicht ganz aktuelle Sicht der Dinge vertritt.

Zentrale Einsichten der Podiumsdiskussion:

  • Revierübergreifende Jagden sind notwendig.
  • Zentral wichtig dabei  ist der Hundeeinsatz.
  • Zielführende Absprachen im Vorfeld sind unerlässlich.


Auch aus dem Publikum rührten sich Stimmen:
Verschiedene Jäger verwehrten sich gegen überjagende Hunde und waren der Meinung, dass der Staat (auf Schwarzwild) zu wenig jage. Die Futterbegrenzung bei Kirrungen sei sinnvoll geregelt. Bei den Drückjagden sollten nur „brauchbare“  Hunde eingesetzt werden. Individuelle Revierverhältnisse sollten berücksichtigt werden. Zu den am Rande emotional gefärbten Äußerungen versuchte vor allem eine BJV-Funktionärin zu polarisieren.
Johannes Schneider wies darauf hin, dass gewisse Vorbehalte gegen die Drückjagden dadurch entstanden seien, dass vor allem noch vor der Entstehung der BaySf viele kleine Jagden - oftmals mit überjagenden Hunden - ohne Ankündigung durchgeführt worden seien. Richtig angekündigte und abgesprochene Jagden seien in Zukunft kein Problem, auch das Mitbejagen von Rehwild solle in Zukunft für solche Jagden kein Hinderungsgrund sein. Ein einzelner Revierpächter hingegen formulierte ganz klar: „Wir machen nur mit ohne Rehwildbejagung!“

Niels Hahn betonte in seinen abschließenden Sätzen die Notwendigkeit von Zielvereinbarungen mit externer Moderation.
Dr. Wolfgang Kornder (ÖJV), der den Abend bereits eröffnet hatte, unterstrich das gemeinsame Vorgehen. Nur so könne in Zukunft die Problematik bewältigt werden.
Die Teilnehmer konnten so auf einen gelungenen Abend zurückblicken. Das Problem war im größeren Rahmen thematisiert, Lösungsmodelle liegen auf dem Tisch und damit wurde ein erster, vielleicht längst überfälliger Schritt zur Lösung getan.


Dr. Wolfgang Kornder
(Vorsitzender des ÖJV Bayern)