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Wald-vor-Wildpreis des Ökologischen Jagdvereins (ÖJV) Bayern für Gemeinde Hausen bei Würzburg

Schnell könne mühsam Erreichtes aus der Balance geraten und die einzelnen Teile purzeln durcheinander; dann heißt es mit Geschick die Vernetzungen wieder herzustellen. Aus diesem Grund sei der Wald-vor-Wildpreis keine Medaille sondern ein Puzzle aus dem Werkstoff Holz, gleichsam als Symbol für des Ökosystem Wald als auch als Symbol für die Zusammenarbeit vor Ort, erklärte der Vorsitzende des ÖJV Bayern, Dr. Wolfgang Kornder.

Die Gemeinde Hausen bei Würzburg besitzt rd. 300 Hektar Wald; er ist geprägt von der Eiche aus Mittelwaldwirtschaft (rd. 75% Anteil). In den 1980-iger Jahren waren regelmäßig große Probleme mit Eichenschädlingen zu bewältigen. Seit 1986 entwickelt die Gemeinde mit dem Rat der Bayer. Forstverwaltung ihren Wald konsequent weiter und konnte zusätzlich durch nachhaltiges Handeln ihren Vorrat von rd. 110 Efm/ha auf rd. 220 Efm/ha anheben.
Seit 1993 werden die Waldflächen nach klaren Vorgaben der Jagdgenossenschaft und der Gemeinde bejagt; rd. 220 Hektar als Eigenjagd in Regie, die übrige Fläche als Gemeinschaftsjagd.

Ende 1990 erbrachte der Orkan Wiebke neben den regulären Verjüngungen weitere 23 Hektar Kulturflächen. Die Zaunfläche war auf über 60 Hektar angewachsen. 20% des Gemeindewaldes waren abgezäunt. Vor diesem Hintergrund gelang 1993 im Gemeinderat der Durchbruch, die sensibelsten Teile in eine Eigenjagd zu überführen, mit klaren jagdlichen Vorgaben der Gemeinde.
Seither gelingen sowohl in der Regiejagd wie auch auf der Gemeinschaftsjagd alle Verjüngungen ohne Zaun, die Eiche verjüngt sich gegen den Trend der umliegenden Wälder auf ganzer Fläche. Waldbaulich sind dem Förster alle Möglichkeiten in die Hand gegeben.

Im Rahmen einer Waldwanderung konnten die Teilnehmer des Festaktes die beeindruckenden Waldbilder vor Ort besichtigen und diskutieren. Bürgermeister Winfried Strobel und sein Vorgänger Kilian Hetterich stellten sich im Wald den Fragen; alle damaligen Gemeinderäte waren mitgekommen und zeigten voller Stolz das erreichte. Alle betonten, dass Sie ihre Arbeit für Wald und Jagd als Generationenvertrag verstehen!
Maximilian Freiherr von Truchseß aus Bundorf (er ist Mitglied im obersten Jagdbeirat Bayerns) erklärte in seinem Festvortrag die Notwendigkeit, dass Waldbesitzer, Pächter und Jäger die Diskussionen versachlichen müssen. Nur offene Karten sowie klare Bedingungen bei den Verpachtungen bringen Lösungen. Das bedeute für ihn aber auch, dass die Zeiten vorbei sind, in denen jagdliche Interessen noch Vorrang vor Waldbau hatte.
„Wir sind es unseren Nachkommen schuldig, den gesetzlichen Grundsatz Wald vor Wild zu verwirklichen", so der Baron.
Stolz, fast gerührt ob des vielen Lobes um das Erreichte nahm Bürgermeister Strobel im Kreis seiner Gemeinderäte den Preis entgegen. Er erklärte aber auch, dass dies alles eine Teamleistung ist; Gemeinderäte, Jagdgenossen, Forstverwaltung und Jäger, sie alle arbeiten zusammen im Interesse des Gemeinwohls.

Ludwig Angerer