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Aus der Praxis

Erfahrungen mit der Bürgerplattform Wildtiere – WilTiB

Das Gemeinschaftsjagdrevier Winhöring II umfaßt 400 ha, mit ca. 1/3 Waldanteil und liegt im nördlichen Landkreis Altötting, im sogenannten tertiären Hügelland, bei uns auch Holzland genannt. Im Süden angrenzend liegt die Graf Toerring'sche Eigenjagd Winhöring mit ca. 700 ha geschlossener Waldfläche, die seit mittlerweile 25 Jahren massiv in naturnahe Wälder umgebaut wird. Es handelt sich hierbei um die stark zerklüfteten Gebiete nördlich des Inntales, mit von Laubholz bewaldeten Hängen und einer Vielzahl von Bächen, die das Gebiet nach Süden hin entwässern. Die Höhenunterschiede betragen dabei nahezu 100 m. Die  landwirtschaftlichen Flächen auf den Hochebenen sind von Wäldern umschlossen und wiederum durch viele Schluchten zerteilt. Wir haben hier also den nahezu perfekten Schwarzwildlebensraum.


Seit 2007 tritt in unserem und den benachbarten Revieren Schwarzwild auf. Die Population steigt kontinuierlich an, was sich auch aus den jährlichen Streckenlisten ablesen lässt. In der Anfangsphase waren nicht wenige Jäger über das Auftreten von Schwarzwild erfreut, handelt es sich doch hierbei um eine interessante Wildart, das letzte Stück Schwarzwild wurde in unserem Revier im Jahr 1948 erlegt. Mittlerweile ist jedoch durch die steigenden Schäden auch bei den Jägern ein Umdenken zu erkennen, und die Einsicht gewachsen, dass diese Wildart nur revierübergreifend bewirtschaftet werden kann.


Einhergehend mit den steigenden Schäden kamen die üblichen Vorwürfe der Bauern gegenüber den Jägern und umgekehrt.


Im Jagdjahr 2016/17 durften wir rund € 2.000 für Schwarzwildschäden in Grünland und Mais erstatten. Damit war für uns die Entscheidung gefallen, dass eine Maßnahme ergriffen werden muss,   das „Problem“ revierübergreifend zu lösen. Von Anfang an war klar, dass wir ein Instrument mit möglichst großer Transparenz für alle Beteiligten brauchen. Am 04. April 2017 führten wir in Winhöring in Zusammenarbeit mit der LfL (Landesanstalt für Landwirtschaft) eine Informationsveranstaltung durch. In diesem sehr gut besuchten Vortrag stellte Frau Katharina Mikschl von der LfL die Bürgerplattform Wildtiere in Bayern WilTiB vor. Im Anschluss an diesen sehr aufschlussreichen Abend wurde die Gründung der WilTiB Gruppe Eggen beschlossen. Um möglichst viele Teilnehmer zu gewinnen und die Gemeinschaft nicht mit einem bestimmten Revier in Verbindung zu bringen, wurde der unverfängliche Name Eggen gewählt, dies war eine Gemeinde die im Zuge der bayerischen Gebietsreform aufgelöst wurde und auf deren Gebiet momentan die Hauptaktivitäten des Schwarzwildes stattfinden. Das Kerngebiet umfasst die Gemeinde Winhöring mit der Toerring'schen Eigenjagd im Zentrum, den Gemeinschaftsjagdrevieren Winhöring I im Süden, dem Gemeinschaftsjagdrevier Winhöring II im Norden und einer kleinen Angliederungsgenossenschaft im östlichen Bereich.  Mit den zusätzlich teilnehmenden Revieren in der Peripherie umfasst das Gebiet mittlerweile rund 4500 Hektar.


Das System bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten wie das Eintragen von Revierbestandteilen, Schwarzwildbeobachtungen, Erlegungen und Schäden. Es können diverse vom Bayernatlas bekannte Funktionen genutzt werden, sowie auf IBALIS – Daten zugegriffen werden. Alle Informationen können von allen Teilnehmern eingegeben und eingesehen werden, der große Unterschied zum System BJV Digital. Die Teilnehmer können die von Ihnen eingegebenen Daten jederzeit verändern oder modifizieren. Für die Kontaktpflege mit den Mitgliedern und der Landesanstalt gibt es zwei Administratoren. Bei Fragen oder Problemen gibt es mit Frau Mikschl und Herrn Zimmermann zwei kompetente und jederzeit erreichbare Ansprechpartner.


Dadurch haben wir eine sehr  hohe Transparenz und die Gemüter auf beiden Seiten haben sich beruhigt. Die Bauern erkennen durch die von den Jägern eingetragenen Schäden und Beobachtungen, dass diese aktiv im Revier unterwegs sind, sich um die Probleme der Bauern kümmern und Informationen sammeln. So passiert es z. B., dass Schwarzwildschäden schon erkannt und erfasst werden, bevor sie vom Grundeigentümer bemerkt wurden. Umgekehrt sehen die Jäger, dass die Bauern nicht nur Kritik üben, sondern engagiert mitarbeiten.


Durch die Dokumentation der Schäden und Beobachtungen haben wir ein Argumentationsmittel gegenüber den Jagdbehörden - Stichwort Nachtzieltechnik.


Im Spätherbst 2017 konnten wir durch die Fülle von Informationen Schwarzwild ziemlich sicher in einem Gebiet bestätigen. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen wurden regelmässige Schwarzwildaktivitäten beobachtet. Nach gemeinsamer Beratung und Organisation führten wir am 18. November erstmals eine erfolgreiche, revierübergreifende Drückjagd durch.


Ich denke mit diesem System haben wir ein sehr gutes Instrument, um das interessante, hochintelligente Schwarzwild so zu Bewirtschaften dass die Wildschäden auf ein für alle Seiten erträgliches Maß gesenkt werden können und wir für die herannahende ASP gewappnet sind.


Ulrich Haizinger                        
Jagdvorsteher GJR Winhöring II