Waldbegehung im Revier Winhöring II mit Jagdvorsteher Ulrich Haizinger.
Schwanzwedelnd, die Schnauze tief am Boden, laufen die Gordon Setter Hündin Queeny und die Beagle Hündin Luna zielstrebig ins Unterholz. Sie schnüffelt mal links vom Weg, mal rechts und zwischendrin halten sie immer wieder Ausschau nach ihrem Herrchen Ulrich Haizinger. Der Jagdvorsteher und Jäger führt an diesem Nachmittag ein Dutzend Gäste durch einen kleinen Teil des Jagdreviers Winhöring II.
Schon nach den ersten Schritten trifft die Gruppe, die größtenteils aus Waldbesitzern besteht, auf verschiedene fremdländische Bäume , wie den chinesischer Urwelt Mammutbaum, Tulpenbaum, Amberbaum und einige zehn Jahre alte nordamerikanische Mammutbäume. „Der Mammutbaum investiert die ersten Jahre vor allem in sein Fundament“, erläutert Haizinger. Der Baum werde erst dick, und fange dann an, in die Höhe zu wachsen.
Die Waldbesitzervereinigung Mühldorf (WBV) hatte gemeinsam mit dem ökologischen Jagdverband Kreisgruppe Altötting – Mühldorf zu der Waldbegehung in Winhöring eingeladen.
Haizinger, der auch als Vorsitzender des ökologischen Jagdverbands Kreisgruppe Altötting – Mühldorf aktiv ist, macht die Teilnehmer auf verschiedenste Waldbilder aufmerksam und erklärt mögliche Folgen. „Hier im Revier finden sich viele positive Waldbilder“, betont Matthias Huber, Geschäftsführer des WBV Mühldorf. Man sehe gut, „was alles geht, wenn alles passt!“. Eines bestätigt die Waldbegehung ohnehin: Wald braucht Zeit, Geduld und Pflege.
Im Gänsemarsch folgen die Teilnehmer der Waldbegehung Haizinger einen schmalen Weg entlang. Zu ihrer Linken deutet der Jagdvorsteher auf Biotopbäume und Totholz.“. Benjamin Scharnagel, Revierleiter Niedertaufkirchen(AELF-Töging) erklärt, dass Totholz und Biotopbäume Lebensraum sind für Pilze, Insekten und deren Nutznießer wie Spechte. Totholz ist ökologisch sehr wertvoll, z.B. dient es auch als Wasserspeicher. Er erläutert, wie solche Maßnahmen vom Freistaat über das Vertragsnaturschutzprogramm Wald gefördert wird und nennt einige Summen: „Je nach Baum kann man zwischen 50 und 220 Euro erhalten“.
Weiter im Wald unterwegs blickt Haizinger auf die Ursprünge der Jagd zurück: „Was war 1848? Die bürgerliche Revolution, auf dem Land ausgelöst durch den Unmut der Bevölkerung durch die völlig überhöhte Wildbestände - das Wild hat den Bauern die Saat auf den Feldern weggefressen“. Nach den ersten Protesten reagierte die Politik, beendete das System der Regaljagd ( das Jagdprivileg des Adels auf fremden Grund und Boden zu Jagen) und verknüpfte das Jagdrecht mit dem Grundeigentum. Fortan konnte jeder auf seinem Grund und Boden die Jagd selbst ausüben. Einige Jahre später wurde dieses Recht wieder geändert, es wurde an eine bestimmte Grundfläche gebunden, und es wurden die noch heute bestehenden Gemeinschaftsjagdreviere gebildet, in denen das Jagdrecht, und das Jagdausübungsrecht getrennt sind. „Das Jagdrecht gehört allen Grundeigentümern und man muss es auch nutzen. Macht’s den Jagdschein“, betont der Jäger.
Ökologisch zu jagen unterstützt wesentliche Ziele des Naturschutzes, um artenreiche, naturnahe Flora und Fauna zu erhalten. Die Jagd, so propagiert es der Ökologische Jagdverband, soll helfen, Wälder mit einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt zu erhalten beziehungsweise zu fördern. „Ökologisches Wissen ist dafür eine Grundvoraussetzung“, hebt Haizinger hervor. Kurz gesagt: Das Zusammenspiel zwischen Jäger und Waldbesitzer ist unverzichtbar für die ökologische Jagd, aber auch für gesunde und vielfältige Waldbilder.
Vorbei an einer Fläche mit Douglasien, die schon 80 Jahre und älter sind, Eiben und einigen jungen Tannen, erreicht die Truppe die Grenze des Reviers Winhöring II. Nachdem Haizinger etliche Fragen der Teilnehmer beantwortet hat, beispielsweise ob er die Flächen manuell oder mit Maschinen bearbeitet, weist er auf Bereiche, der bereits in den 50er Jahren aufgeforstet worden ist. „Danach ist aber nichts mehr passiert. Hier sieht man ein eindeutiges Schadbild durch den Borkenkäfer.“ Die Fichten bestehen hauptsächlich aus dünnen Stämmen, nur oben leuchten grüne Kronen. „Aber schaut’s genau hin, immerhin ist am Boden eine Verjüngung des Waldes zu erkennen.“ Haizinger kniet sich hin und deutet auf einige zaghafte grüne Triebe.

Josef Weiß, ein Waldbesitzer aus Niederbayern, folgt den Ausführungen des Jägers interessiert. „Der Wald ist seit 20 Jahren mein Hobby. Ich arbeite gerne draußen in der Natur. “Nach einer weiteren Etappe durch den Wald erklärt Benjamin Scharnagel in einem Lärchenbestand, dass diese nicht zu eng stehen dürfen. „Die mögen ihre Nachbarn nicht spüren, da reichen im Altbestand 40 bis 60 Auslesebäume auf einem Hektar“. Weniger ist mehr, denn dadurch werden die einzelnen Lärchen stabiler und in den Zwischenräumen ist Platz für Mischbaumarten. Dann erreiche auch genügend Licht den Waldboden, wovon Flora und Fauna profitierten.
Auf dem Rückweg leitet Jagdvorsteher Haizinger die Gruppe zu einem Praxisanbauversuch: Auf einer eingezäunten Fläche von etwa 500 qm2 stehen hier junge Bornmüllertannen. Diese Anbauversuche werden ebenfalls gefördert und sollen Anbaueignung von bestimmten, fremdländischen Baumarten unter hiesigen Klimaverhältnissen eruieren. „Wir jagen hier sehr viel im Wald“, schildert der Jäger. Im Wald seien zwei Aspekte ausschlaggebend - der Waldbau und die Jagd. „Wenn das zusammenpasst, passt es für Flora und Fauna bestens. Das Gemeinschaftsjagdrevier Winhöring II ist dafür ein ideales Beispiel.