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Testbericht Aduro Locit

 

Hundeortungsgeräte haben sich bei Bewegungsjagden und der Nachsuche mittlerweile durchgesetzt. Auch wenn die Anschaffung von professionellem Equipment einen echten Kostenfaktor darstellt – der Nutzen überwiegt doch bei weitem. 

Lange Zeit mussten Hundeführer sich entscheiden: Es gab die „Garmin-Anhänger“, die auf eine direkte VHF-Funkverbindung schworen, und die „Tracker.fi-Fraktion“, die auf Mobilfunk setzten. Beide Konzepte haben Vor- und Nachteile. In Gebieten mit schwacher Netzabdeckung zeigt die finnische Tracker-App im Smartphone unter Umständen keine Position mehr an – im stark kupierten Gelände bricht dagegen die Funkverbindung zum Garmin-Halsband ab, sobald der Hund auf der anderen Bergseite unterwegs ist.

(Bilder: H. Höllerl) Deutlich zu sehen: Der Größenunterschied zwischen den beiden Varianten des Locit-Ortungsgeräts
(Bilder: H. Höllerl) Deutlich zu sehen: Der Größenunterschied zwischen den beiden Varianten des Locit-Ortungsgeräts

 

Konzeption

Seit kurzem kommen Hybridgeräte auf den Markt, die beides können – VHF und Mobilfunk. Der kleine deutsche Hersteller für Jagdausrüstung Aduro aus Gummersbach hat dazu auch eine interessante Lösung entwickelt. Locit heißt das System, angelehnt an das lateinische Wort für „positionieren“. Das Empfangsgerät basiert auf einem robusten Android-Handy. Das ist schon mal ein ziemlich kluger Ansatz: Großserientechnik ist vergleichsweise günstig und an ein Mobiltelefon lassen sich Updates für die Ortungssoftware sehr einfach ausspielen. Zudem gibt es die Möglichkeit, alle möglichen weiteren Apps zu integrieren. Bei der Jagd könnte z.B. ein Notrufsystem sehr sinnvoll sein. Das ist aber Zukunftsmusik. Durch Einlegen einer entsprechenden SIM-Karte sind mit dem neuesten Modell seit August 2025 auch Telefongespräche möglich. Die mitgelieferte und ab Werk eingelegte Multinetz-SIM ist nur für den Datenverkehr ausgelegt.

 

Keine Folgekosten

Üblicherweise werden bei vergleichbaren Mobilfunklösungen jährliche Lizenzgebühren fällig, sowohl für das Empfangsgerät als auch jedes einzelne Sendehalsband. Das können für eine Sender-Empfänger-Kombination durchaus 100.-€ pro Jahr sein, und für jeden weiteren Hund noch einmal 30.-€. Dr. Benjamin Bube von Aduro hatte bei der Konzeption seines Locit-Systems vor allem den durchgehenden Hundeführer im Fokus, der ggf. auch eine ganze Meute mit Ortungsgeräten ausstatten will. Bei seinem Konzept kommen außer ein paar Centbeträgen für die Datenübertragung per Mobilfunk ausdrücklich keine weiteren Kosten auf den Kunden zu. Außerdem verfügt das Handgerät über insgesamt acht große gummierte Tasten, die sich auch mit Handschuhen gut drücken lassen. Wer schon einmal versucht hat, im strömenden Regen die Tracker-App auf seinem Smartphone zu bedienen, kann ein Lied davon singen, welche erratischen Eingaben Wassertropfen hier verursachen können – abgesehen davon, dass der Bildschirm auf einen behandschuhten Finger meist gar nicht reagiert.

Die umfangreichen Modifikationen am Grundgerät mit dem zusätzlichen Einbau der VHF-Funkeinheit inklusive Außenantenne sind aufwändig. Deswegen kostet der Empfänger im Herbst 2025 letztlich rund 600.-€. Ein Hundeortungsgerät schlägt jeweils mit 450.-€ zu Buche. Das ist kein Billigangebot, deswegen haben wir die Kombination auch in der Praxis intensiv über eine ganze Drückjagdsaison getestet.

 

Ausstattung

Beim Anlegen des Halsbandsenders fallen sofort drei Dinge auf: Das Gerät selbst ist relativ groß und die Einheit mit 340 Gramm auch nicht ganz leicht. Für Dackel oder kleine Terrier wurde im Herbst 2025 in kleineres Modell vorgestellt, das um ein Drittel kleiner und leichter ist. An der Halsseite des Gehäuses befinden sich zwei kleine Messing-Schraubgewinde. Diese können Elektroden aufnehmen und das Locit-System wird zusätzlich zum Reizgerät. Zum Einsatz von elektrischen Impulsen bei der Hundeerziehung kann man unterschiedlicher Meinung sein. In Deutschland und Österreich erübrigt sich die Diskussion, denn es ist schlichtweg verboten. Deswegen sind die Elektroden hier auch nicht verfügbar. Abgeschwächte Formen des „Fernkommandos“ per Vibrationsalarm oder verschiedenen Pfeiftönen sind aber zulässig und können entsprechend auch aktiviert werden. Die dritte Auffälligkeit am Gerät sind die Ladekontakte: Das sind zwei offenliegende Metallpunkte, an denen eine spezielle Ladeklammer angebracht wird. Der Vorteil davon: Hier kann keine USB-Ladebuchse oder ähnliches verschmutzen und damit Probleme verursachen. Andererseits muss das proprietäre Kabel aber auch immer dabei sein, um Strom tanken zu können. Glücklicherweise ist der Akku im Halsband so groß dimensioniert, dass er locker für ein verlängertes Jagdwochenende mit drei Einsatztagen ausreicht. Das gilt leider nicht das Empfangsgerät, vor allem wenn es aus Versehen nicht ausgeschaltet wird. Auch im Standby wird dieses relativ schnell leer, obwohl der Hersteller hier bis zu 120 Stunden verspricht. Allzu problematisch ist das aber nicht, denn es enthält ein Standard Akkupack das schnell getauscht ist und lässt sich außerdem über USB-C auch im Auto flott wieder laden.

 

Bedienung

Die Bedienung der App gibt kaum Rätsel auf. Grundsätzlich bietet sie zwei Ansichten: Da wäre zum einen die Kompassrose mit einem Pfeil und der Angabe, wie weit der Hund entfernt ist. Zum anderen lässt sich eine Karte bzw. ein Luftbild anzeigen, auf der die der Laufweg eines oder mehrerer Hunde (bis zu 20 können eingebunden werden) angezeigt wird. Daneben sieht man seine eigene Position und - sofern miteinander gekoppelt - andere Locit-Nutzer. Leider nutzen alle Hersteller solcher Geräte ihre eigenen Datenprotokolle, deswegen ist es nicht möglich, sich z.B. auch mit Tracker.fi-Kunden zu einer Gruppe zusammenzuschließen.

Zu jedem beobachteten Hund lässt sich zudem eine kleine Übersicht einblenden mit diversen Informationen. Dort steht neben der aktuellen Luftlinien-Entfernung ein kleines Piktogramm, das den Bewegungszustand des Hundes anzeigt – sitzend, stehend oder rennend. Wie schnell er rennt, wird in Stundenkilometern angeschrieben Natürlich fehlt auch die zurückgelegte Gesamtstrecke der vergangenen 24 h nicht. Bis zu vier stilisierte „Schallwellen“ neben einem Hundekopf sollen die Intensität des Bell-Lauts anzeigen. Hier mussten wir feststellen, dass vor allem bei trockenem Laub oder viel Gestrüpp die Nebengeräusche offenbar schon als leichtes Bellen angezeigt werden, auch wenn der Hund definitiv gerade nicht laut war. Leider lässt sich die Empfindlichkeit des Sensors nicht einstellen, das sollte man im Hinterkopf behalten. Bei anderen Ortungs-Apps gibt es zum Teil auch noch das Feature, den Track des Hundes wenn er laut war auf der Karte mit einem dickeren Strich darzustellen. Auch diese Möglichkeit ist hier nicht gegeben, aber das ist schon Jammern auf höchstem Niveau. Zahlenmäßig angegeben werden auf dem Display schließlich noch der Akkustand des Halsbandsenders und die aktuelle Höhe, auf der sich Sender und Empfänger gerade jeweils befinden. Ein Glühbirnensymbol zeigt an, ob die Signal-LEDs am Halsband gerade eingeschaltet sind. Auch die lassen sich per Fernzugriff aktivieren, sind aber nicht so hell, dass sie bei Tageslicht einen echten Sicherheitsvorteil bei der Jagd bieten würden. 

Zu guter Letzt zeigt ein kleines Balkendiagramm an, über welchen Signalweg der Hund gerade geortet wird: Sind die Balken blau, ist das über Mobilfunk – erscheinen sie grün, besteht eine VHF-Direktverbindung. Ohne diese Anzeige würde man den Unterschied nicht merken, denn die App wechselt nahtlos zwischen den verschiedenen Modi. Nur wenn die Balken grau werden, ist der außerordentlich seltene Fall eingetreten, dass überhaupt keine Verbindung zum Hund besteht. Wir konnten dies aber auch in uns bekannten Funklöchern des Spessarts nicht provozieren.

Manche Halsbandsender aus der allerersten Serie hatten einen fehlerhaften GPS-Sensor verbaut. Das äußerte sich darin, dass der Hund angeblich plötzlich mit bis zu 150 km/h auf der Karte unterwegs war… Der Hersteller hat hier aber prompt reagiert und die Geräte ausgetauscht.

So sieht die Kartendarstellung des Ortungssystems aus. Wahlweise lässt sich auch das Google-Luftbild hinterlegen.
So sieht die Kartendarstellung des Ortungssystems aus. Wahlweise lässt sich auch das Google-Luftbild hinterlegen.

In der Praxis

Das Aduro Locit hat sich in der vergangenen Drückjagdsaison als sehr zuverlässiger Begleiter erwiesen. Das doppelte Bedienkonzept mit Touchscreen und physischen Tasten funktioniert gut. Das System scheint definitiv robust genug gebaut für den intensiven jagdlichen Einsatz. Nur die zusätzliche Gummihülle des Handgeräts ist etwas weich und sitzt ziemlich locker, so dass sie möglicherweise nicht „ewig“ hält. Auch da hat der Hersteller schnell reagiert und bietet seit dem Sommer 2025 eine verstärkte Version an. Dank Allnetz-SIM-Karten in beiden Geräten wird auch das geringste Mobilfunksignal jedweden Anbieters in Europa genutzt. Somit gibt es kaum Verbindungsabbrüche und wenn doch, dann meist nur für kurze Zeit. Weil das so gut funktioniert, verleitet es dazu, nur mit den Online-Karten zu arbeiten. Dann sollte man aber das Handgerät wenigstens am morgendlichen Sammelplatz schon einschalten, wo tendenziell noch einigermaßen Empfang ist. Vorsichtige Zeitgenossen speichern sich vorher zuhause eine Offline-Karte ein. Dafür ist eine WLAN-Verbindung zwingend erforderlich. Locit lädt sich hier das Google-Luftbild herunter, wobei die Speicherkapazität relativ begrenzt ist. Man sollte also schon einigermaßen wissen, in welchem Gebiet die jeweilige Jagd stattfinden wird.

 

Fazit

Mit der gebotenen Zuverlässigkeit und den wirklich minimalen Folgekosten ist das Aduro Locit auf jeden Fall eine Kaufempfehlung wert. Zögern werden höchstens jene, die schon mit einer anderen Ortungslösung in größeren Hundeführergruppen organisiert sind.

Die Zusatzfeatures, beispielsweise mit den Trainingsfunktionen oder einem Geofence-Tool, das unlängst in die Software mit aufgenommen wurde, bieten weitere Möglichkeiten, die Kombination auch außerhalb der Drückjagdsaison zu nutzen.

Aduro ist ein sehr engagiertes Unternehmen. Die Android-Plattform des Systems bietet diverse Erweiterungsmöglichkeiten. Insofern würde es uns nicht wundern, wenn Aduro Locit demnächst auch noch mit Notruf- oder zusätzlichen Kommunikationsfunktionen ergänzt wird. Eine reine App-Lösung für den Empfang ist auch angedacht. Damit entfällt natürlich die Möglichkeit der Direktverbindung per VHF-Funk, dafür könnte man im ersten Schritt etwas Geld sparen, oder aber auch leichter zusätzliche Kollegen oder Familienmitglieder in eine Beobachtungsgruppe einbeziehen.

 

Heinrich Höllerl   

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