Einzeljagd bei reduzierten Wildbeständen

Erfolgreich jagen

... war der Titel, zu dem ich (wir) etwas für die Ökojagd schreiben soll. Beim Erstellen des Konzepts habe ich aber schnell gemerkt, dass dies an dem eigentlichen Problem vorbeigeht, bzw. dies nur mittelbar damit zusammenhängt.

Das eigentliche Thema

Es müsste genauer heißen: Wie muss man jagen, damit das Wild möglichst wenig heimlich wird? Das Problem „reduzierter Wildbestände“ liegt weniger darin, dass geringere Stückzahlen unterwegs sind, als darin, dass das Wild sein Verhalten auf uns als Feind eingestellt und es geschickt gelernt hat, Begegnungen mit uns zeitlich und örtlich zu vermeiden.

 

Das Wild erkennt sehr schnell: Wer nicht lernt und sich nicht an neue Gefahren anpassen kann, stirbt. Die, die überleben tradieren ihre erfolgreichen Strategien an ihre Jungen weiter.

 

An uns liegt es, wie viel Gelegenheit wir dem Wild geben uns als „Feind“ zu erkennen - und folglich zu vermeiden - lernen. Es glaube keiner, bloß weil die Geiß mit dem überlebenden Kitz in den Wald abgesprungen ist, sie sei nicht mehr da! Manchmal kommt sie wieder zurück und sucht nach dem Kitz. Auch bei Rotwild habe ich das schon erlebt. Meist aber wartet sie ungeduldig im Wald und späht nach draußen, wann denn das Zweite endlich auch kommt Manchmal hört man sie lockend fiepen. Wenn wir das erlegte Stück bergen, nimmt sie uns wahr.

Das Wild lernt dazu

Wild hat uns nicht als „Feind“ gespeichert. Es lernt uns durch schlechte Erfahrungen als „Feind“ kennen. Wenn wir dies verhindern wollen, müssen wir alles vermeiden durch das uns (oder/und das Auto) das Wild mit dem Tod eines Artgenossen in Verbindung bringen kann. Soweit die Theorie. In der Praxis gibt es 2 Varianten:

  • Das Wild ist noch vertraut und hat noch nicht gelernt mit uns umzugehen. Puuuh - Glück gehabt!
  • Das Wild ist bereits heimlich geworden. Da wird die ganze Sache schon etwas schwieriger.

Für unser weiteres jagdliches Verhalten hat das aber nur insoweit Auswirkungen, als man sich bei den nachfolgend vorgeschlagenen Maßnahmen im zweiten Fall weniger Schnitzer erlauben kann/darf/sollte.

  • Die Umgebung darf sich für das Wild von „vor dem Schuss“ und „nach dem Schuss“ nicht unterscheiden: Kein Auto, das herfährt, kein Zweibeiner, der vom Baum kraxelt und den Kollegen einsammelt, keine Repetiergeräusche, Taschenlampe, Zigarettenanzünden, Geraschel, Gepolter, Hochsitzbrettgeklapper – NICHTS!!! Und zwar für mindestens ½ Stunde lang nichts – besser länger.

 

  • Das beschossene Stück muss umfallen, wie wenn der berühmte Stecker gezogen worden wäre. Kein Klagen, keine Flucht – gar nichts. Wenn die anderen Stücke es nicht umfallen sehen, weil die Vegetation hoch ist oder es in einer Bodenunebenheit verschwindet, bleiben sie eher unschlüssig stehen.

 

  • Wenn irgend möglich: Keine Zeugen hinterlassen. Lernen kann nur, wer den „Feind“ gesehen hat – und überlebt! Wenn Geiß mit Kitz kommt, sollten beide liegen. Bei Stuck, Kalb und Schmaltier alle drei (zumindest aber die ersten beiden). Auch bei Sauen hat es sich bewährt nach dem Schuss an der Kirrung sitzen zu bleiben. Wenn drei, vier unerfahrene Überläufer aufkreuzen, strecken die Überlebenden oft eine ¾ Stunde nach dem Schuss noch mal den Rüssel raus, weil das Futter gar so gut riecht – aber nur wenn das erste Stück nicht geklagt hat,  möglichst auch nicht (weit) geflüchtet ist und es auch sonst nichts (Geräusche, Geruch) vom Jäger mitbekommen hat.
    Das ist bei Rehen einfacher, weil die meist einzeln oder maximal zu dritt auftauchen. In einem Rotwild- oder Gamsrudel, bzw. eine Rotte Sauen sind dann halt meist doch mehr Tiere und vor allem mehr Erfahrenere, die beim ersten „Rumms“ das Weite suchen und die Unerfahrenen mitnehmen. Dann lernen alle.

    Rotwild hat als Rudeltier eine ganz andere Entwicklung als der Einzelgänger Reh. Leider wurde (und wird) in der Jägerei nur allzu oft der falsche Schluss gezogen: Was beim Rotwild gilt, gilt auch fürs Reh. Ein Rotwildkalb das früh seine Mutter verliert mag ein echtes Problem haben. Ein Rehkitz ist spätestens Mitte Oktober soweit, dass es auch ohne Geiß gut durch den Winter kommt. Ich will damit nicht sagen, dass es keine Rolle spielt, wenn die Kitze dann auf sich gestellt sind, aber es ist auch kein Beinbruch und verstörte Kümmerlinge, die in Dickungen dann große Schäden anrichten, konnte ich noch nie feststellen.
    Im Gegenteil: Wo auch mit dem Abschuss des weiblichen und Jungwildes ernst gemacht wird, entwickeln sich Kitze und Jährlinge vom Wildpretgewicht und den Trophäen deutlich besser als in den Revieren wo so gut wie keine Geißen und Kitze zögerlich ab Ende November erlegt werden. Knopfer gibt’s in scharf bejagten Revieren kaum mehr, der durchschnittliche Jährlingsbock ist ein Gabler und 1-jährige Sechser kommen regelmäßig vor. Würde die Theorie der Traditionalisten stimmen, müsste es genau umgekehrt sein. Ist es aber nicht.

 

  • Der Jäger muss für das Wild unberechenbar bleiben. Es muss im Wald genauso gejagt werden wie draußen auf der Wiese. Am Morgen genauso wie am Abend – wo erlaubt auch in der Nacht. Bei jedem Wetter und an den unterschiedlichsten Orten. Und es muss auch Phasen geben, wo es gar nicht kracht – und zwar nicht nur von Februar bis April.
    An dieser Stelle darf ich auf Müllers Rehwildkalender verweisen, in dem man nachschauen kann, wann Rehe besonders aktiv sind und wann man sich das Jagen besser spart. Ruhephasen erreicht man am besten dadurch, dass man - wenn irgend möglich - mind. 4 Wochen z.B. die 300ha im Westteil des Reviers konzentriert bejagt und die östlichen  300 ha komplett unbejagt lässt. Dann folgt der Wechsel. Damit das wirken kann, darf die Fläche und die Zeitspanne nicht zu klein sein. Wer ein großes Revier hat, der kann auch 3 Teile machen. Schließlich hat man ja nur einen Hintern und ob der mal eine Zeit lang nur um A-Dorf rumsitzt und um B-Hausen überhaupt nicht, stört den Hintern eigentlich nicht – höchstens unser Hirn, das glaubt, dass es da drüben genau heute doch besser sein müsste. In solchen Augenblicken zeigt sich dann, ob nun Hintern oder Hirn das Sagen hat.

 

  • Eine gute Möglichkeit der Intervalljagd ist es, im Mai Juni mit Hochdruck zu jagen und im Juli und August Wiedergutmachung bei der Familie zu leisten. In diesen 2 Monaten  ist  ein Großteil der Böcke schon erlegt und die Schmalrehe sind nicht mehr sicher zu erkennen. Außerdem stehen die meisten Rehe im Getreide und Mais und somit nur schwer erreichbar.

Was sind die Voraussetzungen dazu?

  • Man muss schießen können
    Ein breit ziehendes Reh müssen wir innerhalb von 3 Sekunden auf 50m aufs Blatt treffen können und ein Stehendes freihändig auf 100 m. Wer das nicht kann, muss zuerst auf den Schießstand. Das hört sich jetzt recht großkotzig an, in Wirklichkeit unterschätzen die meisten Jäger wie präzise sie bereits bei einem minimalen regelmäßigen Training schießen könnten, wenn sie übten. Das kann JEDER lernen. Das darf durchaus der LG-Schießstand im Keller sein, wo man mit ZF auf aus der Jagdzeitung ausgeschnittenes Wild übt. Jagdanschlag – nicht Sportschützenanschlag ! Kleiner Tipp: Mit dem 2. Fingerglied schießen – das ist ungewohnt, aber man verreißt nicht so leicht. Mein Gewehr hat keinen Stecher.

 

  • Kaliber und Gewehr – entscheidend ist die Wirkung
    Entweder Selbstlader oder Repetierer, wenn man sich angewohnt hat blitzschnell nach dem Schuss – noch im Widerhall – durchzurepetieren. Die Gewehr – Munition – Kombination muss ein schlagartiges Verenden des Wildes sicherstellen. Nach meiner Erfahrung ist das zuverlässig bei Rehwild mit .308 oder .30-06 mit splitternden Geschossen eher erreichbar als mit größeren oder kleineren Kalibern mit Deformationsgeschossen. Jedenfalls muss die Augenblickswirkung absoluten Vorrang vor z.B. Ausschussgröße oder Hämatomen haben.

 

  • Das Zielfernrohr
    Ein Zielfernrohr 3-12x56 ist Minimum. Gerade scheues Wild kommt oft recht spät. Ein 6-24x56 oder gar x72 kostet zwar etwas mehr (Meopta ist aber schon für 1500,- Listenpreis zu haben), hat aber noch Helligkeitsreserven und erlaubt auch bei „zahmen Kalibern“ mit der entsprechenden Absehenschnellverstellung, Ballistikturm oder wie auch immer die Dinger der jeweiligen Firma heißen mögen, recht präzise Schüsse auf deutlich jenseits der 200m. Das ist im Revier mit Feldanteil oder im Hochgebirge mehr als praktisch.

 

  • Die Hochsitze
    Hochsitze dürfen nicht knarzen und müssen so aufgestellt sein, dass sie ein gedecktes Beziehen und Verlassen gewährleisten. Wenn es irgend geht als Rückeinsteiger. Oft steht Wild schon auf der Fläche (manchmal sehen wir es z.B. in der Verjüngung nicht) und das können wir beim langsamen Aufbaumen im Wechsel mit Abglasen der Fläche entdecken und mit auf den Leitersprossen aufgelegtem Gewehr erlegen. Geht aber nur wenn Rückeinsteiger ! Hochsitze genügen – Kanzeln sind durch knarzende Fußbodenbretter, klappernde Türen oder Riegel, weniger Rundumblick, störende Holme u.ä. weniger geeignet. Ein Tarnschal (10,-) aus dem Rucksack ist auf jedem Hochsitz einsetzbar und dann kann man auch noch die Zeit am Hochsitz sinnvoll mit lesen o.ä. verbringen. Dabei aber das regelmäßige Abglasen der Umgebung nicht vergessen !    ;-)
    Auch das Beziehen muss lautlos gehen. Also: Hinweg freischneiden und – zumindest die letzen Meter – Pirschpfad kehren. (s. Fotos 1 bis 3)

 

  • Hochsitze ggf. umstellen
    Wenn ein ehemals guter Hochsitz nichts mehr bringt, dann hilft oft ein Umstellen. Vorher schauen, wo die aktuellen Wechsel gehen. Oft haben die Rehe nämlich die Gefahr erkannt und die Wechsel verlegt, bzw. beobachten aus sicherer Deckung heraus das corpus maleficiosus argwöhnisch, bevor sie austreten. Da haben wir dann oft schlechte Karten. Also: Umstellen.

 

  • Freischneiden der Hochsitze
    Von den Hochsitzen aus muss nicht alles freigeschnitten sein, aber mehrere Schussschneisen/Krähenfüße – am günstigsten Rückegassen integrieren - müssen schon hergerichtet werden. Je weiter desto besser.
    Das hört sich nach furchtbar viel Arbeit an, aber ich rechne das anders: Einen Hochsitz gut freischneiden und Pirschpfad anlegen dauert max. 1 Stunde – meistens bloß ½  - das heißt, in der Zeit wo ich einen (weil schlecht vorbereiteten) erfolglosen Ansitz von 2 Stunden absolviere, kann ich 2-4 Hochsitze gut herrichten. Das ist es mir wert. Ihnen nicht?

 

  • Hochsitze nicht direkt am Waldrand
    Des weiteren sollten Hochsitze nicht direkt am Rand stehen. Ich weiß – manchmal geht`s nicht anders, dann aber nach Möglichkeit den Sitz nach hinten verblenden, sonst hebt man sich für das von hinten kommende Wild deutlich gegen den hellen Himmel ab. Wo kein Waldrand vorhanden ist, z.B. an vom Hieb oder Sturm oder Käfer aufgerissenen Löchern im Wald, sollte man gut und gern 20 m (wenn möglich mehr) mit dem Sitz ins Bestandesinnere rücken. Man ist dann vom überschlagenden Wind und aus dem hellen Licht weg. Wir müssen ja nicht beleuchtet sein – sondern die Fläche / das Wild. Also gilt: Selber im Dustern sitzen, aber ins Helle schauen.

 

  • Salzlecken/Kirrungen, wo?
    Salzlecken/Kirrungen nach Möglichkeit nie auf Wiesen, besser auf kleine Blößen oder Bestandeslöcher, wo Schnee auf den Boden gelangt, trockenes helles Gras den Hintergrund aufhellt und das Wild aber trotzdem das Gefühl von Deckung durch ein paar Kussel oder sonstigen Bewuchs hat. Es soll so viel sein, dass sich das Wild einigermaßen sicher fühlen kann, es aber dennoch uns beim Schiessen nicht stört. Auch hier gilt: Wenn die Kirrung zwischen heller Fläche und Hochsitz ist, heben sie sich in der Dämmerung besser ab und wenn das Zweite und Dritte abspringen, tun sie das nicht ins Helle sondern in den Wald hinein, also auf den Hochsitz zu – und verhoffen meist nach wenigen Fluchten und bieten die Doublettenchance.

 

  • Das liebe Blatten
    Rehbockblatten oder Rufjagd auf Hirsch bezeichnet Hespeler so schön als „jagdliche Kleinkunst“. Ich finde er hat recht – und ich weiß, er meint das anerkennend und nicht abwertend. Wer kann und mag soll das gerne tun, aber die großen Strecken werden zu anderen Zeiten gemacht und bei abgesenkten Wildbeständen läuft da eh nicht mehr viel.

 

  • Wildäcker
    Wildäcker sind im Prinzip nicht schlecht aber die Frage ist, ob der Aufwand lohnt. Wenn man die Geräte an der Hand hat, können Äsungsstreifen gezielt an bestimmten Stellen entlang von Waldwegen, wo viel Licht hin kann, sicher sinnvoll sein. Manchmal langt es in die offenen Stellen, wo länger gelagertes Holz nun abgefahren wurde, mit Klee/Raps/Buchweizen von Hand grob einzusäen. Auch in der Feldflur – wenn man sich mit den Bauern gut versteht – kann man ohne viel Aufwand und durch etwas anderes Timing durchaus interessante Äsung in der Nähe von Hochsitzen schaffen. So hat in diesem Jahr, wo es bei uns zu wenig Gras gab, ein Landwirt ein Raps-Senf-Gemisch nach der Getreideernte angesät, das er für sein Milchvieh im Herbst noch mäht und erst im Spätwinter umbricht. Das ist ideal für die Reh-Jagd!

 

  • Zwischenfruchtanbau
    Als eine tolle Lösung hatte sich vor 2 Jahren auf einem  Acker mit Zwischenfrucht ergeben. Der Bauer hatte nicht den üblichen Senf angebaut sondern eine Saatgutmischung „Landgreen MS 100A Mulchsaat System Aktivator" der bayrischen Futtersaaten GmbH. Diese enthält
    • 5% Persicher Klee,
    • 10 % Seradella,
    • 65 Saatwicke,
    • 2% Phazelia und
    • 18% Alexandriner Klee.
    • Diese Kleesaaten sammeln Stickstoff, sparen also Dünger. Die Mischung gefriert im Winter herunter und ist für den nachfolgenden Maisanbau im April gut geeignet.
      • Auf dieser Fläche schoss ich von 2 Hochsitzen  aus im Herbst 15 Rehe. Diese Mischung muss allerding in ein Saatbeet eingebracht werden. Es wird nichts Brauchbares daraus, wenn so wie bei Senf auf den frisch gepflügten Acker gesät wird.
      • Die Neue Mischung mit Buchweizen und Sonnenblumen  des BJV mag als Reheinstand nicht schlecht sein, aber eine Fläche mit z.B. mehreren ha ist nur schlecht einsehbar und damit nur schwierig zu bejagen.

 

  • Kirrungen
    Kirrung auf Rehwild ist sowieso erst ab Frost sinnvoll. Reines Getreide friert zwar nicht zusammen wie Apfeltrester, aber provoziert enorm den Verbiss – und Sauen gehen u.U. auch dran. Besser ist es nur etwas davon auf den Trester streuen. Vor allem ist die regelmäßige Beschickung der Kirrungen in der Zeit der kurzen Tage sehr zeitaufwändig.

 

  • Oft ist es sinnvoller „natürliche Kirrungen“ zu nutzen, z.B. die wenigen Randeichen im Fichtenrevier oder die Brombeerverhaue und Himbeerflächen – oder eben die Rapsäcker. Gerade auf Letzeren kommen die Rehe und Rotwild aber oft so spät, dass man in Konflikt mit dem Gesetz kommt. Daraus folgt: Es ist an der Zeit, dass das Gesetz geändert wird! Nicht, weil ich dem Wild keine Nachtruhe gönne, sondern weil der Wolf (den wir ja nach früheren Aussagen unserer weidgerechten Kollegen angeblich ersetzen) ja auch nicht auf die Uhr schaut. Es ist schlicht unnatürlich und auch nicht nachvollziehbar, warum ich nachts auf Schnee den kleinen wuseligen Fuchs schießen darf, aber die doppelt so große, ruhig vor sich hinäsende Geiß nicht.  Und dass die lieben Rehlein in der Nacht genau wissen, dass da Hubertus Waidmann nur auf Sauen ansitzt und sie sich folglich nicht gestört fühlen müssen, das kann er seiner Großmutter erzählen.

 

  • Salzlecken
    Auch Salzlecken sind eine tolle Sache, weil das Wild seine Wechsel ändert und dort auch dann vorbeiwechselt, wenn es eigentlich gar nichts vom Salz wissen will. Sie haben aber den Nachteil – wie Fütterung oder Dauerkirrung auch – dass sie im Umgriff den Verbiss ankurbeln. Den intelligenten Einsatz muss man also abwägen. Ansonsten gilt Ähnliches wie für die Kirrung: Nicht am Waldrand oder in der Wiese sondern im Ödland, auf der Rückegasse oder im Brombeerverhau.
    Die Sulze das Lockmittel mit dem geringsten Unterhaltungs-Zeitaufwand. Auch die freundlichen Kameras lassen sich dort mindestens genauso gut installieren wie an Kirrungen. Es soll sogar Leute geben die 4 Kameras mit MMS-Funktion an Kirrungen haben und selber gleichzeitig mit eingeschaltetem Handy an der 5. Stelle sitzen. Wenn sie dann eine MMS bekommen baumen sie ab, pirschen die entsprechende Kirrung an und schießen. Auch nicht blöd – ABER, dazu muss man die Kirrungen und das dazu nötige Schussfeld entsprechend angelegt haben – wie oben beschrieben.

  • Hochsitz-Hopping
    Hochsitz-Hopping kann Wild furchtbar vergrämen, wenn man es dumm anstellt – und reiche Beute bringen, wenn man es intelligent anstellt. Wer dazu abseits von Wegen weite Strecken zurücklegen muss und dann auch noch im Wind von Einständen gegen den Horizont gut sichtbar und durch trockenes Laub „pirscht“ um dann im Angesicht des Wildes aufzubaumen, der hat so ziemlich alles verkehrt gemacht, was möglich ist. Also: Hochsitz muss gedeckt und lautlos vom viel begangenen oder befahrenen Weg aus beziehbar sein. Da wird das Wild nicht misstrauisch, wenn es von dort was hört. Wenn das nicht möglich ist: Gar nicht erst versuchen! Denn unsere missglückten Jagdversuche – egal ob uns das Wild dabei entdeckt oder wenn wir vorbei oder krank schießen, DAS ist es, wobei das Wild uns am deutlichsten als „Feind“ erkennen – und damit auch vermeiden lernt.

 

  • Bodensitz/Mobile Sitze
    Ich rede hier öfter von „Hochsitz“ dabei ist ein Bodensitz oder der Klapprucksack mit Haselsteckendreibein mindestens genauso gut, wenn nicht besser (s. Fotos 4 – 6). Leider haben die deutschen Jägerhintern (meiner übrigens manchmal auch) eine fast magische Affinität zu Hochsitzbrettern. Hochsitze sind gut und schön und oft sehr nützlich – aber manchmal auch hinderlich, weil sie uns von wirklich guten Plätzen weglotsen.

Für die Rehe sind überraschend aufgestellte  mobile Ansitzsitze wie im Anhang dargestellt immer erfolgversprechend. Im Herbst an den Maisrändern aufgestellt mobile Einheiten sind schon für einen schnellen Erfolg gut. Noch besser sind „angeschnittene“ Maisflächen. Da ist bei sicherem Wind der Erfolg so gut wie sicher.

  • Mit dem Auto unterwegs 
    Wer auf dem Autodach aufgelegt oder gar (illegal) aus dem Auto schießt, dem bleiben bald keine Rehe mehr stehen und er verbaut sich das Auto als „Aufklärungsvehikel“. Oft kann man im Vorbeifahren Rehe irgendwo stehen sehen. Weiterfahren (mind. 400m) bis einen das Wild nicht mehr sieht (Aus den Augen aus dem Sinn) dann langsam und ungesehen zurückpirschen und Beute machen. Wenn einen das Wild beim Zurückpirschen sehen kann, sollte man es gar nicht erst versuchen, sondern die Fläche umschlagen und einen passenden Hochsitz anpirschen. So lernt das Wild nicht das Auto mit der Erlegung in Zusammenhang zu bringen.

 

  • Pirschen
    Pirschen heißt sich gedeckt und lautlos (also nicht nur „wahrscheinlich unbemerkt“ sondern UNBEMERKBAR) nähern und dann durch wenig Bewegung plötzlich eine große, fürs Wild interessante Fläche einsehen können. Nur auf diesem letzten für das Wild einsehbaren Meter müssen wir in Zeitlupe hantieren. Tunlichst richtet man sich an diesem Platz eine Möglichkeit ein um aufgelegt oder angestrichen schießen zu können. Dazu langt ein dezent freigeschnittener Stamm der einen entzweigten Ast in passender Höhe hat. In Dickung, Einstand oder Altbeständen zu pirschen ist meist zum Scheitern verurteilt, weil einen da das Wild zuerst wahrnimmt. Dabei gilt beim Pirschen: „Wer den anderen zuerst sieht, hat (schon fast) gewonnen.“

 

  • Trifft man zufällig auf ein Stück Wild, so lege ich mich, wenn der Bodenbewuchs es zulässt, hinter meinen Rucksack und lege meine Büchse für einen sicheren aufgelegten Schuss darauf. Ein auf das Objektiv gestelltes Fernglas mit zwischen den Okularen aufgelegtem Gewehr erfüllt den selben Zweck. Man sollte aber tunlichst die Objektivdeckel vorher zumachen!

 

  • Ein Trick um ungünstige Passagen zu überqueren ohne das Wild zu vergrämen ist, sich auffällig zu benehmen, quasi den Wanderer zu markieren. Wer trampelt, vor sich hinpfeift oder redet, ist nicht auf der Jagd. Der wird vom Wild beobachtet, als lästig gemieden aber nicht als Gefahr ernst genommen. 

 

  • Überhaupt sollten wir uns im Revier immer unbekümmert und berechenbar benehmen, wenn wir nicht ganz konkret auf Erlegung aus sind und uns das heimliche, leise, pirschende Verhalten für die Situationen aufsparen, wo es nötig ist. Das Wild soll uns ruhig für einen Deppen halten und glauben, dass es uns über ist (das trifft eh öfter zu als wir denken), umso mehr können wir es mit plötzlicher Raffinesse zur rechten Zeit am rechten Ort überraschen und erlegen.

 

Das alles ist natürlich umso schwieriger, wenn das Wild schon entsprechend bei uns in die Lehre gegangen und heimlich geworden ist. Umso mehr müssen wir es durch allgemein unbekümmertes Verhalten und  Ruhephasen bei gleichzeitiger Nicht-Wahrnehmbarkeit, wenn wir jagen, einlullen. Die Schlauen sterben notfalls an Altersschwäche. Wir müssen dafür sorgen, dass wir denen keine Gelegenheit geben ihre Jungen an Beispielen mit uns zu lehren, wie man uns austrickst. Manche von den perfekt auf die Ansitzjagd eingestellten Rehen, bekommt man auf der Drückjagd, weil sie sich da ungeschickt verhalten.


Noch einmal, weil es so wichtig ist: Am meisten lernt das Wild, wenn wir mehr oder minder bald nach dem Schuss uns zeigen und auf den Anschuss losstürmen oder es uns sonst irgendwie bei der Jagd ertappt, vor allem durch Fehl- oder Krankschüsse. Also: üben, üben, üben!
Parallel dazu: Viel rausgehen, aus der Ferne schauen, beobachten, schlussfolgern, denken – vor allem denken wie ein Reh und nicht wie ein Jäger.

 

Autoren:

Michael Bartl und Herbert Raßhofer